Touchscreen-Ermüdung: Warum Autodesigner den Kurs umkehren

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Autohersteller und sogar der ehemalige Apple-Designchef Jony Ive geben zu, dass riesige Touchscreens in Autos zu weit gegangen sind. Die Fahrer sind zunehmend frustriert und die Sicherheitsbedenken nehmen zu, was zu einer Rückkehr der physischen Kontrollen führt. Der Trend deutet auf eine kritische Neubewertung der Fahrzeugtechnologie hin – eine, die der Fokussierung des Fahrers Vorrang vor digitalem Überfluss einräumt.

Das Problem der digitalen Überlastung

Jahrelang verfolgten Automobilhersteller die schlanke Ästhetik minimalistischer Armaturenbretter, die von großen zentralen Touchscreens dominiert wurden. Dies bedeutete, Klimasteuerung, Unterhaltung und sogar wichtige Fahrzeugfunktionen in Menüs zusammenzufassen, auf die über den Bildschirm zugegriffen werden konnte. Das Ergebnis? Fahrer verbringen durchschnittlich 40 Sekunden mit der Interaktion mit diesen Bildschirmen bei nur 40 km/h. Laut einer AAA-Studie aus dem Jahr 2017 ist das genug Zeit, um die Länge von fünf Fußballfeldern zurückzulegen, ohne den Blick von der Straße abzuwenden – ein klares Sicherheitsrisiko.

Jony Ive, der das ursprüngliche iPhone gestaltete und später zum Innendesign des Ferrari-Elektrofahrzeugs beitrug, stimmt dem zu. Er erklärte unverblümt, dass Touchscreens „einfach die falsche Technologie“ für die Kernsteuerung im Auto seien. Er hätte sie nie für primäre Funktionen integriert und betonte, dass es grundsätzlich gefährlich sei, von der Straße wegzuschauen, um einen Bildschirm zu bedienen.

Ferraris Hybrid-Ansatz

Der kommende Ferrari Luce ist ein Beispiel für diesen Wandel. Der Innenraum verfügt zwar weiterhin über einen großen Touchscreen und ein digitales Bedienfeld, verfügt aber auch über taktile Knöpfe, Schalter und physische Schalter für Klima, Sitzheizung und andere häufig verwendete Einstellungen. Die Designphilosophie konzentriert sich auf intuitive Bedienung und Sicherheit und vereint digitale Ästhetik mit fahrerorientierter Ergonomie.

Ives Designziel für den Ferrari-Touchscreen bestand darin, ihn „zu etwas zu machen, das man intuitiv nutzen, genießen und sicher nutzen kann“.

Warum das wichtig ist

Bei der Abkehr von der Dominanz des Touchscreens geht es nicht nur um Ästhetik oder Komfort. Es spiegelt ein wachsendes Bewusstsein für kognitive Belastung und Ablenkung des Fahrers wider. Autohersteller sind mit der Frustration der Kunden und potenziellen Haftungsbedenken konfrontiert. Eine übermäßige Abhängigkeit von digitalen Schnittstellen verschlechtert das Fahrerlebnis und führt zu unnötigen Risiken.

Das Wiederaufleben physischer Kontrollen signalisiert eine Rückkehr zur Priorisierung von Funktionalität und Sicherheit. Dieser Trend ist nicht nur eine Designentscheidung; Es ist eine pragmatische Reaktion auf die Konsequenzen der realen Welt. Die Branche lernt, dass weniger manchmal mehr ist – insbesondere wenn es um Leben geht.