Die Automobilindustrie entwickelt sich rasant weiter und die nächste große Veränderung vollzieht sich unter der Oberfläche: die Abschaffung der mechanischen Lenksäule. Steer-by-Wire-Technologie, bei der Lenkeingaben elektronisch statt mechanisch übertragen werden, ist auf dem Weg, zum Standard zu werden und Sicherheit, Anpassungsfähigkeit und ein sanfteres Fahrerlebnis zu bieten.
Die Technologie erklärt
Steer-by-Wire-Systeme werden derzeit von Herstellern wie Nio (im ET9-Modell) eingesetzt und sind nächstes Jahr für mindestens einen High-End-Mercedes-Benz geplant. Sie erfassen die Lenkbewegungen des Fahrers mit einem Aktuator am Lenkrad. Diese Daten werden dann an einen anderen Aktuator an der Vorderachse weitergeleitet, der die Räder physisch dreht.
Entscheidend ist, dass Drehmomentsensoren an der Achse Feedback an das Lenkrad zurücksenden und durch hochentwickelte Schneckenantriebsmechanismen das Gefühl des Straßengefühls wiederherstellen. Dies stellt sicher, dass der Fahrer trotz fehlender physischer Verbindung immer noch Widerstand und Rückmeldung verspürt. ZF-Ingenieure betonen, dass es sich hierbei nicht um eine radikale Abkehr, sondern um eine Weiterentwicklung bestehender elektromechanischer Servolenkungssysteme (EPAS) handelt.
Warum Steer-by-Wire wichtig ist
Es gibt mehrere entscheidende Vorteile, die die Einführung dieser Technologie vorantreiben:
- Erhöhte Sicherheit: Durch den Wegfall der Lenksäule wird eine potenzielle Gefahr bei Kollisionen beseitigt und verhindert, dass sie zurück in die Kabine gedrückt wird. Es eliminiert außerdem das Risiko eines heftigen Rückschlags, sowohl bei Unfällen als auch bei aggressiven Manövern.
- Anpassungsfähigkeit: Steer-by-Wire ermöglicht dynamisch einstellbare Lenkübersetzungen. Dies bedeutet, dass Autos zwischen schnellem Ansprechverhalten bei niedrigen Geschwindigkeiten für Stadtfahrten und entspannteren Übersetzungsverhältnissen für Autobahnfahrten wechseln können. Dies ist besonders nützlich bei größeren Fahrzeugen, die durch engere städtische Umgebungen navigieren.
- Verfeinertes Fahrgefühl: Trotz des Fehlens einer direkten mechanischen Verbindung argumentieren Ingenieure, dass der Unterschied im Fahrgefühl zwischen EPAS und Steer-by-Wire kleiner ist als der Unterschied zwischen vollhydraulischen und EPAS-Systemen. Fortschrittliche Sensoren und Aktoren ahmen das Gefühl einer herkömmlichen Lenkung nach.
„Das Ziel besteht nicht darin, das Gefühl vollständig zu ersetzen, sondern es zu verfeinern. Steer-by-Wire baut auf vorhandener Technologie auf, um ein sichereres, anpassungsfähigeres und letztendlich intuitiveres Fahrerlebnis zu schaffen.“ – ZF-Fahr- und Handlingspezialist Duncan Church.
Der bevorstehende Übergang
Während einige Autofahrer den Verlust traditioneller mechanischer Verbindungen beklagen mögen, stellt Steer-by-Wire einen logischen Fortschritt in der Automobiltechnik dar. Die Vorteile in Bezug auf Sicherheit, Individualisierung und verfeinerte Steuerung machen es zu einem überzeugenden Upgrade, und seine breite Akzeptanz scheint unvermeidlich, da Hersteller der fortschrittlichen Fahrzeugdynamik Priorität einräumen.
